Geschichte der Elektrifizierung in Pottenstein

24 Jahre nach dem Entstehen des ersten deutschen Kraftwerks – der Kraftzentrale Berlin 1882 - hielt in Pottenstein in der Fränkischen Schweiz der Strom Einzug. Die Geschichte dieser Elektrifizierung spiegelt die der Entwicklung der Stromversorgung in Deutschland wider.

Die Elektrifizierung der Stadt Pottenstein durchlief mehrere Planungen, bei denen sich verschiedene Unternehmer um die Errichtung eigener Anlagen bemühten. Anstoß zur Elektrifizierung gaben „zunehmende Schwierigkeiten“ bei der Bedienung der Straßenbeleuchtung; über das nicht korrekte Anzünden und Löschen der Petroleumlampen lagen dem Stadtrat Beanstandungen vor.

Ein Protokollbuch des Stadtrats vom 26.02.1896 weist nach, dass als Erste die Witwe Magdalena Zambelli aus der Kohlmühle einen Vorschlag einreichte, der die Errichtung einer „elektrischen Centrale zur Abgabe von Licht und Kraft“ und eine auf 10 Jahre befristete „alleinige Concession“ zum Betreiben eines Ortsnetzes im Stadtbereich von Pottenstein betraf. Dieser Plan wie auch andere scheiterte an den überhöhten Forderungen des Bezirksamtes bezüglich der Sicherheitsvorkehrungen Am 30.03.1906 erhielt der Müller Heinrich Eichenmüller die gewünschte Konzession zum Verteilen von Energie auf städtischem Boden. Dem folgte am 01.06.1906 der Vertrag über Lieferung und Aufbau einer elektrischen Straßenbeleuchtung. Beide Vereinbarungen galten während einer Laufzeit von 25 Jahren.

Um eine sichere Versorgung gewähren zu können, ließ der Müller seine drei Wasserräder an der Püttlach durch eine Wasserturbine mit 17 kW ersetzen. Das Kraftwerk von Eichenmüller  besaß  zu dieser  Zeit einen Gleichstromgenerator mit 9 kW Leistung bei 220 V und eine Akkumulatorenbatterie mit 124 Elementen und 108 Ah Kapazität bei dreistündiger Entladung.Ein Argument für den Gleichstrom war der Einsatz großer elektrischer Akkumulatoren.

In der folgenden Kriegszeit  wuchs die Abnehmerzahl und zugleich löste die Verknappung des traditionellen Brennmaterials und besonders des Petroleums einen Nachfrageschub aus, der an die Grenzen der Belastbarkeit des Stromerzeugers ging. Um die Einwohner zum Stromsparen anzuhalten, führte er 1919 für alle Verbraucher Stromzähler ein. Das Bezirksamt verwies die Stadtverwaltung, die sich gegen diese Maßnahme wehrte, nur auf einen möglichen Anschluss an das Überlandwerk – dieser Hinweis war bezeichnend für die Situation auf dem Energiemarkt: Seit 1909 arbeitete die Staatsregierung darauf hin, dass große Gesellschaften das Land flächendeckend mit Strom versorgen sollten. Allerdings wurde erst 1920 das Überlandwerk Oberfranken (ÜWO später EVO) in Bamberg gegründet, das erst ab 1922 im südlichen Oberfranken ein Netz aufbaute und somit das Monopol Eichenmüllers gefährden konnte. In der Zwischenzeit hatte Franz Eichenmüller den Betrieb übernommen und begann seine Preise dem Markt näher zu führen.

Der Energiebedarf stieg weiter an und die Kapazitäten der Elektrizitätsgewinnung aus der Püttlach waren ausgeschöpft. Am 23.02.1927 schloss Eichenmüller nach dem Vorbild der umliegenden kleinen Ortsnetze einen Vertrag mit dem ÜWO, der ihm eine feste Liefermenge garantierte. Dazu wurde an die Mühle eine Trafostation angebaut, an der die 15-kV-Drehstromleitung des ÜWO endete. Die Hochspannung wurde in Niederspannung transformiert und in einem Quecksilberdampfgleichrichter in die erforderliche Gleichspannung umgewandelt.

Ende 1930 wurde die Verlängerung der Konzession durch die Einwohner der Stadt in einer geheimen Abstimmung beschlossen – ein Zeichen dafür, dass das Monopol der Stromlieferung nicht für alle Bürger selbstverständlich war.

Seit dem Auftreten der Überlandwerke hatte der Wechselstrom gegenüber dem in kleinen Netzen favorisierten Gleichstrom sehr an Bedeutung gewonnen, zum einen wegen seiner Transformierbarkeit, zum anderen wegen der verlustärmeren Übertragung des höher gespannten Stroms.

Die Versorgung mit Elektrogeräten für Gleichstrom gestaltete sich so zunehmend schwieriger. Aufgrund dieser Entwicklung war es für jeden Stromlieferer notwendig, sich für die Angleichung an den Landesstandard zu entscheiden. Ab 1943 wurde in Pottenstein  sukzessive die Versorgung auf Drehstrom umgestellt. Die folgende Neuorganisation des Netzes dauerte etwa 10 Jahre.

 Anton Eichenmüller der Besitzer des E-Werks von 1969 bis 2004 hat wie seine Vorgänger zuerst das Müllerhandwerk erlernt (bis 1950 wurde der Betrieb der Getreidemühle weitergeführt), aber anschließend die Ausbildung und Meisterprüfung zum Elektrohandwerk abgelegt. Somit konnte er die energietechnischen Fragen in eigenem Ermessen klären.

Mit dem Aufbau eines 20-kV-Netzes in den 50er Jahren begann ein neuer Abschnitt in der Stromversorgung. Die Umstellung der Netzstruktur von Freileitung gestaltet sich in Pottenstein aufgrund der natürlichen Gegebenheiten – meist felsiger Untergrund – schwierig.

Die 1932 eingebaute Francisturbine wurde 1992 überholt und deckt mit einem Durchflussvolumen von 1,2 m³/s und einer Generatornennleistung von 30 kW zusammen mit der Turbine eines privaten Stromlieferanten einen Teil des Strombedarfs von Pottenstein.

In Pottenstein wird derzeit Strom aus folgenden Anlagen produziert:

Wasserkraftanlagen,

Photovoltaikanlagen,

BHKW-Anlagen


Der Betrieb wird seit 2005 in der vierten Generation von Elisabeth Eichenmüller  weitergeführt.

 

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letzte Änderung: Freitag, 25. Mai 2018